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Pura Vida – Das wahre Leben!

04.12.2011

Eine Reise durch Guatemala, Nicaragua und Costa Rica – von Paul Hake

Nach dem Schulabschluss die Welt entdecken, ferne Länder erkunden und einfach mal aus dem Alltag ausbrechen. Immer mehr junge Menschen zieht es nach der schulischen Laufbahn in das Ausland. Nach der Ableistung meines Zivildienstes sollte es auch für mich an die Reisplanung gehen. Am Anfang war es nur eine Idee. Mit der Zeit wurde aus der Idee ein Plan und letzten Endes ein Entschluss: Guatemala und Costa Rica sollten es sein. Zwei vergleichsweise kleine, lateinamerikanische Länder mit wilden, vom Urwald gesäumten Küsten am Pazifik sowie tramhaft schönen Stränden in der Karibik. Ich wollte Menschen treffen, Abenteuer erleben und trotzdem auch einfach mal am Meer entspannen – all das aber bitte fernab vom Pauschaltourismus und überfüllten Stränden. Ein bisschen gut zureden und Mut sammeln, mit einigen Organisationen die offenen Fragen klären und letztendlich war es geschafft – mein Flug war gebucht.

Meine Reise begann im Mai 2011 in Hamburg. Nach einer Nacht in New York ging es über Houston weiter nach Guatemala City. Am kleinen Flughafen in der hektischen Hauptstadt des kulturreichen Landes – die Ruinen der Maya-Tempel (u.a. In Tikal) sind ein wichtigerAnziehungspunkt – angekommen, geht es für mich weiter nach Antigua, Guatemala. In dieser Kleinstadt, welche bis 1773 die Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika darstellte, sollte sich mein Spanisch in vier Wochen deutlich verbessern.

Dort angekommen brauchte ich in etwa drei bis vier Tage um mich einigermaßen einzuleben. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse in der mir absolut neuartigen Kultur zurechtzukommen, stellte sich als große Herausforderung dar. Nachdem ich jedoch erste Kontakte in der Sprachschule sammelte, meine Familie sich die größte Mühe gab, mir den Einstieg zu vereinfachen, und die Lehrer mir die neue Sprache verständlich erklärten, ging alles ganz schnell. Nach einer Woche fühlte ich mich sehr gut aufgehoben und begann das wunderbare Guatemala zu entdecken. Die überschaubare Stadt Antigua, in welcher meine Gastfamilie sowie die Sprachschule liegen, ist mit ihren kolonialen Bauwerken und der Lage zwischen drei großen Vulkanen schon das erste der vielen Highlights.

Ausflüge nach Semuc Champey, Monterrico am Pazifik und zum Lago Atitlan werden mir immer in Erinnerung bleiben. Besonders Semuc Champey hat mich mit seinen Lagunen, Tropfsteinhöhlen und glasklaren Flüssen samt Wasserfällen in seinen Bann gezogen. Mit einer einzigartigen Soundkulisse liegt dieses Naturphänomen mitten im tropischen Regenwald. Zum Ende des vierwöchigen Aufenthalts in Antigua bestiegen wir noch den Volcan Pacaya. Ebenfalls zu empfehlen!

Nach vier Wochen in Antigua, Guatemala, beschloss ich für eine Woche durch Nicaragua zu reisen und mich erst im Anschluss nach Costa Rica zu begeben. Wem sich diese Möglichkeit ebenfalls einmal bieten sollte, dem lege ich nahe, Nicaragua unbedingt zu besuchen! Touristisch noch weniger erschlossen als Guatemala und Costa Rica, kann man dort die Einheimischen noch wirklich kennenlernen, die unberührte, wunderschöne Natur genießen und so günstig leben wie nirgendwo sonst in Lateinamerika. Mit nur 8 Dollar am Tag lebte ich dort wie ein kleiner König.

In Nicaragua – die Hauptstadt Managua ist mit dem Ticabus von San Jose (Costa Rica) in 8 Stunden zu erreichen – empfehle ich die ebenfalls im kolonialistischen Stil erbaute Stadt Granada, den Lago de Nicaragua mit seiner paradisischen Vulkaninsel Ometepe und San Juan del Sur am Pazifik zum Surfen!

Eine Woche später erreichte ich Costa Rica. Die Hauptstadt San Jose präsentiert sich als typische Metropole, wirkt sehr Westlich bzw. Nordamerikanisch und ist meiner Meinung nach nicht sonderlich attraktiv. Laut, stickig, schnelllebig und gar nicht mehr so farbenprächtig wie andere lateinamerikanische Städte. Nach wenigen Tagen in der Stadt fuhr ich mit einigen Freunden per Bus weiter nach La Fortuna. Im “Arenal” mit seinem aktiven Vulkan kann man die beeindruckende Vielfältigkeit der Natur bewundern. Heiße Quellen im Urwald laden zum nächtlichen Bad ein, der See am Fuße des Vulkanes kann per Boot erkundet werden und eine Wanderung durch den Regenwald zu den vielen Wasserfällen lohnt sich sowieso. Mit Jeep und Boot ging es weiter nach Monteverde. Der Nebelwald wird als das Naturerlebnis in beinahe jedem Reiseführer angepriesen und präsentierte sich dann auf den ersten Blick auch als sehr schön. Erst am folgenden Tag wurde das kleine Dorf dann von der Menge der Pauschalreisenden überrannt. Bei der Erkundung des Nebelwaldes war ich also weniger verwundert, keine Tiere vorzufinden. Ich meine, als Affe wäre ich auch genervt vom Lärm der unzäligen Seibahnen, Hängebrücken und Aussichtsplattformen. Trotz dieser weniger schönen Erfahrung war der Ausflug ein voller Erfolg. Tolle Menschen, eine wahnsinnig spektakuläre Natur und besonders La Fortuna und Umgebung bleiben in Erinnerung.

Nach diesem gelungenen Abstecher sollte nun mein Freiwilligenprojekt in Costa Rica beginnen. In der Hauptstadt San Jose wurden mir von einem Parter der Organisation Travelworks viele Optionen vorgestellt. Ich entschloss mich dort für ein Schildkrötenschutz-Projekt in Samara am Pazifik. Dort liegt am Playa Buena Vista, schwer erreichbar für Einheimische und unzugänglich für Touristen, das Camp. Nach sechstündiger Busfahrt, einer Taxifahrt durch den Urwald, einer Flussüberquerung bei starken Stömungen (und Gerüchten von Krokodilen) und einer kleinen Wanderung durch die Mangrovenwälder erreicht man dort sein Ziel. Im Camp “Buena Vista” selber gibt es keinen Strom und das kalte Wasser der selbstgebauten Dusche wird aus einem Brunnen angepumt. Zwischen Brüllaffen, Faultieren und anderen Urwaldbewohnern machten wir es uns zur Aufgabe den Schildkröten bei der Erhaltung ihrer Spezies zu helfen. Nester graben, Eier suchen, geschlüpfte Schildkröten aussetzen und allerlei andere Aufgaben beschäftigten mich dort. Zu den Mahlzeiten gab es entweder Reis, Bohnen und ein Spiegelei oder Suppe. Nur zum Frühstück bekamen die freiwilligen Helfer etwa zweimal in der Woche Pfannkuchen. Der zeitweise raue Pazifik, der einsame Strand, der Dschungel, die extrem hohe Luftfeuchtigkeit, verdammt viele Moskitos, ein Holzhaus für etwa 15 Volontäre und ich – sonst nichts. Gerade dieses Leben ohne Zugang zur Zivilisation machte es für mich besonders interessant. Die Zeit war sehr intensiv und nicht immer war es leicht auf den gewohnten Luxus (Intenet, Handy, Waschmaschine, saubere Betten usw.) zu verzichten; eine wahnsinnig tolle und bereichernde Erfahrung war es aber schon! Nach der Zeit im Camp bereiste ich mit neuen Freunden die südliche Karibikküste in Costa Rica und genoss dort die Sonne, das leckere Essen und die jamaikanisch geprägte Atmosphäre.

Im Rückblick war die Zeit in Lateinamerika ein einziger Traum! Ich würde es genauso wieder machen und empfehle jedem Interessierten, den Schritt zu wagen!

Guatemala

Guatemala

Nicaragua

Costa Rica

Alle Fotos © Paul Hake

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