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Hungertragödie: Wie viel kann unser Planet geben?

25.07.2011

Jean Ziegler sollte ursprünglich die Eröffnungsrede der diesjährigen Salzburger Festspiele halten, wurde wegen seiner angeblichen Verbindungen zu Muammer al-Gaddafi dann allerdings wieder ausgeladen. Die Sueddeutsche hat die bereits geschriebene Rede des Schweizer Soziologen, Politikers und Autors jetzt im Wortlaut öffentlich gemacht.

Man mag Jean Ziegler für einige seiner Positionen kritisieren, die Rede zu lesen lohnt sich dennoch. Er beschreibt darin sehr deutlich die Ursache sowie die Lösungsprobleme der gegenwärtigen Hungertragödie.

Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. 37.000 Menschen verhungern jeden Tag und fast eine Milliarde sind permanent schwerstens unterernährt. Und derselbe World-Food-Report der FAO, der alljährlich diese Opferzahlen gibt, sagt, dass die Weltlandwirtschaft in der heutigen Phase ihrer Entwicklung problemlos das Doppelte der Weltbevölkerung normal ernähren könnte.

Schlussfolgerung: Es gibt keinen objektiven Mangel, also keine Fatalität für das tägliche Massaker des Hungers, das in eisiger Normalität vor sich geht. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.

Eines der Probleme laut Ziegler: Kein Geld für humanitäre Hilfe, aber gleichzeitig milliardenschwere Bankenrettungen.

Steigende Nahrungsmittelpreise

Jean Ziegler spricht in seiner Rede auch die steigenden Nahrungsmittelpreise an und führt sie hauptsächlich auf Rohstoff-Spekulanten zurück. Das ist zum Teil sicher richtig, allerdings gibt auch etliche andere Argumente.

Schaut man sich einen Chart der Preise für Nahrungsmittel an, sieht man einen extremen Anstieg in 2007, einen “Drop” in 2008 und dann wieder einen rasanten Anstieg von 2009 bis heute. John Baez, Professor an der University of California, listet dazu mögliche Gründe in seinem Blog auf und geht dabei besonders auf die Wetterextreme der letzten Zeit ein.

Während Ziegler betont, dass die Weltlandwirtschaft “problemlos das Dopplete der Weltbevölkerung ernähren könnte”, schließt Baezs Eintrag mit der Frage: “[...] In other words, is our world civilization hitting the limits of what the planet can support?”.

Beide Beiträge zusammen sind sehr lesenswert:

- Nicht gehaltene Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele

Food Price Spike

Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten von Oxfam East Africa
(Dank an Thomas für den Artikelhinweis)

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