Filed Under:  News, Wirtschaft

Friday Bull, 15.07.11

15.07.2011

In unserer neuen Reihe “Friday Bull” gibt Ihnen Fabian Huber wöchentlich eine Zusammenfassung über Neuigkeiten aus der Wirtschaft. Heute u.a. zum Bundesschatzbrief, zum Goldpreis und zum angeschlagenen Euro.

Foto: NYSE, Flickr:  Walter Rodriguez, CC-Lizenz

Der Bundesschatzbrief – selbst der Erfinder glaubt nicht mehr dran

Wilhelm Hankel, ein früherer Leiter der Abteilung Geldpolitik im Bundeswirtschaftsministerium, ist mit dafür verantwortlich, dass wir seit 1969 den sogenannten Bundesschatzbrief haben. Mit dem festverzinslichen Wertpapier, welches nicht an der Börse gehandelt werden darf, wollte Hankel dem Bundesbürger ein “sicheres, kursschwankungsfreies Markt-Wertpapier vermachen”. Er selbst hat sich interessanter Weise von seinen Schatzbriefen schon vor knapp 10 Jahren getrennt, als der Euro eingeführt wurde. „Dass dieses Papier ein Euro-Papier geworden ist, hat mich schon geärgert“, sagte Wilhelm Hankel der „Börse Online“. Er investiert sein Geld weder in Euro noch in Dollar, da diese nicht für “zukunftssicher” halte. Stattdessen schwört er eher auf Währungen wie den Schweizer Franken, die norwegische Krone und die “kleinen Dollar” aus Kanada, Neuseeland und Australien. Auch von physischem Gold halte er nichts: „Irgendwann, wenn der Aberglaube weicht, wird man feststellen, dass Gold überhaupt keinen Geldwert hat.“ (focus.de)

Das ist doch interessant, oder nicht? Natürlich hat Gold keinen Geldwert. Die Frage ist doch, welchen Wert kann ein Stück bedrucktes Papier langfristig haben? Schon jetzt steht die im Umlauf befindliche Geldmenge doch in keinem Verhältnis mehr zu dem ihr zugesagten Wert. Die USA drucken eifrig Geld und in Deutschland bzw. Europa sieht es ja nicht anders aus. Meiner Meinung nach gehört der Bundesschatzbrief schon seit seiner Einführung zum “alten Eisen”. Schauen wir doch mal, wie lange es noch dauert bis aus dem festverzinslichen Wertpapier ein “Wertlospapier” wird.

http://bit.ly/p0Rag4

Heidelberg als Klimavorbild – wie die Wirtschaft helfen kann

Der Heidelberger Oberbürgermeister Eckart Würzner lässt in einem Interview durchblicken, wie die lokale und regionale Wirtschaft eingebunden werden kann, um moderne Sanierungsmaßnahmen zu verwirklichen und damit langfristig eine menge Energie gespart werden kann. Nachdem Heidelberg vor 20 Jahren
als eine der ersten europäischen Städte eine umfassende kommunale Klimaschutzstrategie erarbeitete, konnte ein umfassendes Sanierungsprogramm in die richtigen Bahnen gebracht werden. Inzwischen bedeutet das unter anderem fast 70 Prozent Heizenergieersparnis durch die Umsetzung von flächendeckenden Passivhausstandards. Aktuell entsteht mit der Bahnstadt das größte Passivhausgebiet der Welt – mit 116 Hektar wird es größer als der historische Kern Heidelbergs. Interessant ist auch das Konzept zur Erneuerung der Heizungsanlagen in einigen Schulen und Sportzentren auf Kosten der beteiligten Unternehmen. “Die Firmen wurden beauftragt, die Anlagen auf eigene Kosten zu modernisieren. Im Gegenzug haben wir die bisherigen Energiekosten für sieben bis zehn Jahre eingefroren und direkt an die Firma gezahlt.” Doch hier ist noch lange nicht Schluss. Heidelberg ist in allen wichtigen Bereichen aktiv – Gebäude, Energie, Verkehr und Industrie. (zeit.de)

Heidelberg macht es vor, jetzt ist es an den größeren Städten, sich ein Beispiel zu nehmen und nachzuziehen.

http://bit.ly/pVCGQc

Bernanke an der Geldpresse – geht das Spiel weiter?

Es sieht ganz so aus, als könnte die US-Notenbank wieder mit dem Ankauf von Anleihen beginnen, sollte sich die US-Wirtschaft weiterhin als schwach erweisen. “Die Fed muss in Bezug auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik alle Optionen auf dem Tisch lassen”, sagte Bernanke am Mittwoch vor einem Kongressausschuss und unterstreicht damit wieder einmal seine ultralockere Geldpolitik. Er selbst erwähnte die Möglichkeit, ein drittes Programm zum Kauf von US-Staatsanleihen mit Notenbankgeld einzuleiten (Quantitative Easing III). (ftd.de)

Wo soll denn das noch hinführen? Was zweimal nicht funktioniert hat probieren wir ein drittes Mal? Offenbar ist das nicht der richtige Weg, die Wirtschaft in den USA endlich in die Gänge zu kriegen. Aber für Herrn Bernanke scheint das drucken von Geld ein Allheilmittel zu sein.

http://bit.ly/pb0d6o

Foto: US-Dollar, Flickr: peasap, CC-Lizenz

Moderne Inkassomaßnahmen auf dem Münchener Flughafen

Der Insolvenzverwalter der pleite gegangenen Walter-Bau, Werner Schneider, ist auf dem Flughafen in München wieder aktiv geworden. Diesmal hat er die Boeing 737 der Royal Thai Airforce versiegeln lassen. Thailands Kronprinz Maha Vajiralongkorn ist damit vorerst gezwungen in Bayerns Hauptstand zu verweilen. Die stattliche Summe von mehr als 30 Millionen Euro fordert der Wirtschaftsprüfer vom thailändischen Staat. Die Summe steht aus dem Bau einer Mautautobahn vom Flughafen Bangkok in die Stadt seit Jahren offen. Im Oktober 2005 ist Herrn Schneider ein ähnlicher Coup schon einmal gelungen. Damals ließ er ein Flugzeug der libanesischem Middle East Airlines (MEA) in Istanbul festsetzen, um offene Rechnungen einzufordern. 24 Stunden später hatte er das Geld. (faz.de)

Das nenne ich “überzeugend argumentieren”.

http://bit.ly/oFfOo8

Rekordhöhenflug bei Goldpreisen

Wie so oft in Krisen suchen die Anleger den vermeintlich sicheren Hafen des Goldes auf. Die Schuldenkrise und die steigende Angst vor der Zahlungsunfähigkeit der USA haben dazu geführt, dass der Goldpreis auf ein Dollar-Rekordhoch schoss. Eine Feinunze (31 Gramm) brachte es am Mittwoch zwischenzeitlich auf bis zu 1582,76 Dollar. Gold steuert auf das elfte Jahr mit Gewinnen in Folge zu, die längste Aufwärtsphase seit mehr als 90 Jahren. (ftd.de)

http://bit.ly/puLUPa

Chinas Solarhersteller wachsen deutscher Konkurrenz über den Kopf

Der weltgrößte Solaranlagenhersteller, Trina Solar, ist bereits ein chinesisches Unternehmen. China hat bei den erneuerbaren Energien eine neue Spitzenposition erreicht. Die chinesischen Konzerne hätten ihren Anteil am Gesamtumsatz der Branche 2010 von 36 auf 45 Prozent erhöhen können, berichtete das „Handelsblatt“ am Mittwoch aus der jährlichen Untersuchung der Unternehmensberatung PRTM. Die besten deutschen Solarfirmen sind demnach die Bosch-Tochter Aleo auf Platz 16 und Solarworld auf Platz 17. (focus.de)

Seit der deutsche Physiker Philip Lenard im Jahre 1904 das Grundprinzip der Solarzelle entdeckte, hat sich zwar einiges getan, doch wie ins so vielen Bereichen, laufen uns unsere asiatischen Freunde hier Stück für Stück den Rang ab.

http://bit.ly/rnbF9b

Chinas Devisenreserven erreichen 3200 Mrd. Dollar-Marke

Nicht zuletzt um die eigene Währung, den Renminbi, stabil zu halten, hortet die Volksrepublik jede Menge Fremdwährungen. Somit halten die Chinesen per Ende Juni Devisenreserven in Höhe von 3200 Mrd. Dollar. Der Renminbi ist nach wie vor nicht frei handelbar. Grund dafür ist die Angst der chinesischen Regierung vor einer deutlichen Aufwertung und damit negativen Folgen für die chinesische Wirtschaft. (ftd.de)

Eine enorme Geldmenge! 2008 waren es noch “nur” knapp 1600 Mrd. Dollar. Wenn man berücksichtigt, dass die USA selbst von ihrer eigenen Währung nur sehr mickrige Devisenreserven zurückhält (2008 waren es noch 72 Mrd. Dollar). Nicht auszudenken was mit unserem Geldwert passiert, wenn China seine Reserven aus irgendeinem Grund auf den Markt wirft.

http://bit.ly/p5Hbr8

Foto: 100 Yuan Schein, Flickr: DavidDennisPhotos.com, CC-Lizenz

Kino.to, R.I.P. – Lang lebe Kinox.to

Nachdem die Betreiber von Kino.to im Juni festgenommen und die Seite vom Netz genommen wurde, trauerte die Film- und Internetgemeinde. Jetzt sieht es so aus, als sei das Portal unter neuem Namen wieder zurück. Wie es aussieht konnten nicht alle der Beteiligten festgenommen werden und rein technisch ist es kein Problem die Seite auf einem neuen Server wieder ins Netz zu stellen. Eine Botschaft geben die Betreiber von Kinox ihren Nutzern auch noch auf den Weg, nämlich dass sie keine Angst vor einer Strafverfolgung haben sollen. „Macht euch keine Sorgen, wir haben nie Daten gespeichert und werden es auch weiterhin nicht tun.“ Auf dem Filmportal Kino.to konnten Besucher aus einer Vielzahl von angebotenen Filmen und Serien wählen und diese direkt online kostenlos ansehen. (faz.net)

Wie lange dieser Ableger dem Internetsurfer verfügbar bleibt ist fraglich. Wann erkennen die Film- und Fernsehtudios endlich, dass Bequemlichkeit immer siegt? Meiner Meinung nach sind ein Großteil der Leute durchaus bereit, einen fairen Preis zu berappen, wenn dafür die Lieblingsserie oder der gewünschte Hollywoodstreifen komfortabel am Heimkino-PC ohne Werbeunterbrechung gestreamt werden kann. Und damit meine ich nicht komplizierte Programme oder Plugins die erst aufwendig heruntergeladen und eingerichtet werden müssen, nur um dann in der Hälfte der Fälle das System zum Absturz bringen oder den Filmgenuss so stark einzuschränken, dass der gefrustete User dann doch wieder bei Bittorrent landet, um endlich Frieden zu finden.

http://bit.ly/qdrPnY

Ist der Euro noch zu Retten?

Was passiert, wenn Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft innerhalb der europäischen Währungsunion, als nächstes kippt? Die dramatisch gestiegenen Zinsen italienischer Staatsanleihen befinden sich angeblich mittlerweile auch an einer „kritischen Schwelle“. Sollte es tatsächlich soweit kommen, dann muss wohl endlich die Entscheidung fallen: Will man die Währungsunion, oder will man sie nicht? Ein europäischer Zentralbanker, der nicht genannt werden wollte, wird von der WELT zitiert mit: „Der bestehende Schirm in Europa reicht nicht aus, um eine glaubwürdige Schutzmauer um Italien zu bauen. Dafür war er nie angelegt. [...] Das schlechte Krisenmanagement der europäischen Regierungen sorgt dafür, dass die Kosten der Rettung ständig steigen“, sagt dieser Zentralbanker. (ruhrbarone.de)

Ich kann mir dieses Herumgetänzel kaum noch mit ansehen. Der Zusammenbruch des Euros wäre eine Katastrophe und ich hoffe, dass die Zeit noch nicht gekommen ist. Heute würde mich aber auch nichts mehr wundern.

http://bit.ly/qx6Zmm

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