Filed Under:  BFP, Newsletter-Archiv

News für Mittwoch, 15.06.11

15.06.2011

(Erschienen im Newsletter am Mittwochmorgen, 15.06.11)

Inhalt:

I - Neue Beiträge von BFP

II - Mehr News aus aller Welt

III - Noch mehr News aus aller Welt

IV - Buchtipp

V - Der Tag

Foto: Raketenabschuss von der USS Barry, Flickr: Official U.S. Navy Imagery, CC


I – NEUES VON BFP

Geht es im Libyen-Krieg ums Öl? Pro und Contra [BFP]

Angesichts der NATO-Angriffe auf Libyen und insbesondere vor dem Hintergrund der Bombardierung Muammar al-Gaddafis Residenz in Tripolis lohnt es sich, die von WikiLeaks veröffentlichten Depeschen der amerikanischen Botschaft einmal genauer anzusehen.

Interveniert wurde in Libyen wegen des drohenden Massakers in Benghazi. War dies nur ein nützlicher Vorwand? Ging es tatsächlich um etwas anderes?

Geht es im Libyen-Krieg ums Öl? Pro und Contra

Pro:

Unter anderem in den Dokumenten “07TRIPOLI967” und “09TRIPOLI71” wird auf eine mögliche “Nationalisierung der Öl-Vorkommen” bzw. grundsätzlich auf “Resource Nationalism in Libya” eingegangen.

So heißt es in der ersten Depesche:

With this inflow of capital, and in particular the return of international oil companies (IOCs), there has been growing evidence of Libyan resource nationalism. The regime has made a point of putting companies on notice that “exploitative” behavior will not be tolerated. In his annual speech marking the founding of his regime, Libyan leader Muammar Qadhafi in 2006 said: “Oil companies are controlled by foreigners who have made millions from them — now, Libyans must take their place to profit from this money.” His son, Seif al-Islam al-Qadhafi, said in March 2007 that, “We will not tolerate a foreign company to make a profit at the expense of a Libyan citizen.”

Und im Dokument “09TRIPOLI71″:

Muammar al-Qadhafi suggested that Libya and other oil exporting states could nationalize their oil production in view of sharply plummeting petroleum prices.

Die Amerikaner berichten allerdings weiter, dass Libyen diese “Nationalisierung” wahrscheinlich nicht beabsichtigt und Gaddafi die Aussage nur aus folgenden taktischen Gründen machte:

1) leverage the expected re-negotiation of existing contracts with international oil companies (IOCs’);
2) prompt IOC’s operating in Libya to contribute to the U.S.-Libyan claims compensation fund;
3) establish a context for Libya’s potential unilateral cuts in production of oil below levels dictated by OPEC, and;
4) prepare the Libyan people for the fact that this year’s GOL budget, which will be introduced at the General People’s Congress session, will be adversely impacted by falling oil revenues and the global financial crisis.

Die Beseitigung Gaddafis wäre – diese Depeschen interpretierend – also auch ein potentieller Erfolg der amerikanischen (Öl-)Wirtschaft.

Contra:

Als Gegenargument kann man den Ablauf bis zur Resolution aufführen. Die USA haben die UN-gedeckte Libyen-Intervention nicht so forciert wie beispielsweise Frankreich oder Großbritannien. Und Italien? Italien ist der größte Abnehmer von Öl aus Libyen und meldete sich in der Libyen-Frage erst spät und dann zurückhaltend zu Wort – nicht zu vergessen die enge Beziehung von Berlusconi und Gaddafi.

Auch wenn kürzer ausgeführt: die Argumente im Contra-Teil wiegen m.E. schwerer.

II – MEHR…

Hisbollah regiert den Libanon (Tagesspiegel)

Keine einseitige Staatsausrufung: Westerwelle setzt auf Diplomatie (n-tv)

Erneut Grossdemonstrationen in Jemen (NZZ)

Weitere NATO-Angriffe in Tripolis (derStandard)

Japans Regierung bringt Atom-Entschädigungsfonds auf den Weg (Deutsche Welle)

Syrische Truppen rücken weiter vor (NZZ)

Fatah und Hamas wollen Einheitsregierung präsentieren (ORF)

III – NOCH MEHR…

- Wetter… (BFP)

Vietnam bereitet sich auf einen Waffengang mit China vor (diePresse)

Wähler rechnen mit Berlusconi ab: ”Die Kraft der Verführung ist dahin” (n-tv)

Ehec: EU beschließt Millionen-Zahlungen für Bauern (Handelsblatt)

US-Präsidentschaftswahl: Sieben Zwerge, die es mit Obama aufnehmen wollen (WELT)

IV – BUCHTIPP

breakfastpaper mit einem Buchkauf unterstützen:

>> Henry Kissinger: China: Zwischen Tradition und Herausforderung (Amazon-Link)

V – DER TAG

Am 15. Juni 1950 beschließt der Deutsche Bundestag den Beitritt der Bundesrepublik zum Europarat.

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