Sehnsucht nach Wärme: Madeira im Winter
19.02.2011

Ein europäisches Urlaubsziel weit draußen im Atlantik, das die Sehnsucht nach Wärme und nach der Farbe Grün im Winter stillen kann.
Das ausgeglichene Klima der portugiesischen Insel Madeira liegt im Mittel bei winterlichen 17° C und sommerlichen 25° C. Die Wassertemperatur kühlt von 22° C im Sommer dank des Golfstroms im Winter nur auf minimal 18° C ab. Tapfere Schwimmer können also selbst im Februar in einem der felsgeformten Meeresbecken ein Bad nehmen. Sonnige Tage, die dazu einladen, gibt es in jedem Fall genügend, sofern man sich in den Wintermonaten überwiegend an Madeiras Südküste aufhält. Die schroffen Steilküsten des Nordens und die hohen Gipfel der Inselmitte liegen dagegen häufig in Wolken.
Für einen Kurzurlaub ist es günstig die Unterkunft in Funchal, der Hauptstadt Madeiras, zu buchen. Von hier aus hat man sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit einem Leihwagen beste Möglichkeiten, die Insel mit all ihren Schönheiten zu entdecken.
Funchal

An der Südküste gelegen, im Rücken das schützende Zentralmassiv, liegt die moderne, kosmopolitische Großstadt an einem Hang in Form eines Amphitheaters mit Blick auf die große Bühne des atlantischen Ozeans. Der Hafen ist Anlaufpunkt vieler Kreuzfahrschiffe und manche Tage strömen Touristenmassen durch die hügelige Altstadt, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuhaken.
Dazu gehört in jedem Fall der Mercado dos Lavradores - die Markthalle im historischen Stadtteil Santa Maria. Das übliche Markttreiben mischt sich mit einer Üppigkeit von Farben und Gerüchen, dass die Besonderheit der Architektur – zwischen Art Deco und Moderne – beinahe in den Hintergrund gerät. Vor den Toren bieten Madeiras Kunsthandwerker Stickereien, Korbwaren und die berühmten Bauernstiefel aus Ziegenleder an. Im Inneren der mit wunderschönen Kachelwänden bekleideten Halle türmen sich Gewürze, tropische Früchte, Gemüse und Blumen: Orchideen, Strelizien, Anthurien, Kamelien, Proteas und eine Vielzahl von Knollen, Samen und Jungpflanzen wie kleinen Bananenbäumchen oder Baumfarnen. Wer früh morgens da ist kann in der Fischhalle die Vielfalt des atlantischen Meeres erleben – bemerkenswert und empfehlenswert zu probieren ist der schwarze Degenfisch Espada.

Ein längerer Streifzug durch die Stadt bietet sowohl Shoppingbegeisterten, wie Museumsliebhabern ein Riesenprogramm – nicht zu vergessen die vielen Kirchen und Kapellen. Erholen kann man sich davon in Straßencafes oder in einem der wunderschönen Stadtparks.
Ein Fest der Sinne für alle Pflanzenliebhaber sind auch die Gärten und Quintas (madeirensiche Landgüter) in und rund um Funchal. Besonders sehenswert für Kunst- und Gartenfreunde ist der Jardim Tropical Monte Palace. Auf 70.000 qm lädt ein höchst reizvolles Refugium ein, den Tag zwischen orientalischen Gärten, Pflanzen aus Australien, Südamerika und Südafrika und nicht zuletzt unter den altehrwürdigen Bäumen des madeirensischen Laurissilva-Waldes zu verbringen. Im Museum beeindruckt eine riesengroße Sammlung an Steinskulpturen aus Simbabwe, im Garten eine der größten Ausstellungen an Azulejo-Wandbildern Portugals. Sie reicht von spanischen Mudéjar-Kacheln bis hin zu modernen Tafeln.
Wer länger als eine Woche auf Madeira verbringen kann, wird sicher Gefallen daran haben, sein Domizil außerhalb Funchals an der Südküste zu suchen. Während der Osten touristisch sehr überlaufen ist, kann man in den Ansiedlungen im Westen wunderbar ruhige Unterkünfte finden. Die besten Schönwettergarantien bietet dafür das Calheta-Tal. Je nach Lage im hügeligen Gelände genießt man die Sonne vom Auf- bis zum Untergang und hat eine perfekte Ausgangsbasis für Autotouren und Wanderungen über die Insel. Dabei werden wir am Wegesrand ständig von Mittagsblumen, Schmucklilien, Callas, meterhohen Weihnachtssternen, Avocado- und Papayabäumen, Zwergbananenplantagen und ganzjährig blühenden Geranien begleitet.
Levadas
Die berühmten Levadas, ein einzigartiges Bewässerungssystem auf Madeira, sind eines der Highlights, wo Naturfreunde auf der Insel des ewigen Frühlings Blumenpracht und Pflanzenvielfalt erleben können. Levadas sind Wasserläufe, die seit Jahrhunderten das Regenwasser von der Nordseite der Insel auf die trockene Südseite leiten. Sie laufen um die Berge herum und bieten Wanderern entlang der von Menschen geschaffenen und gepflegten Wasserrinnen die Möglichkeit die Schönheit der Natur zu Fuß zu erkunden. Je nach Kondition und Wandererfahrung geht man entlang so genannter Spazierweg-Levadas mit kleinen Picknickplätzchen oder Levada-Touren, die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit im manchmal schwierigem Gelände verlangen.
Wenn das Wetter es erlaubt und die Hochebene der Insel wolkenfrei ist, sollte man unbedingt eine Fahrt hinauf nach Paul da Serra unternehmen. Die kleinen Straßen steigen schnell bergan und schon bald verlässt man die Eukalyptuswälder, um oberhalb der Baumgrenze ein Landschaft zu erblicken die gegensätzlicher zur bisher erlebten Blumeninsel nicht sein könnte. Der Eindruck eines schottischen Hochmoors drängt sich auf, sobald wieder Wolken heranziehen und man in kürzester Zeit im dichten Nebel steht. Bleibt es sonnig, sollte man von hier aus unbedingt eine Wanderung in das dicht bewaldete Tal bei Rabaçal mit seinen zahlreichen Wasserfällen unternehmen.

Die Rückfahrt zur Küste über den Encumeada-Pass lässt uns ein weiteres Mal staunen: das von bizarren Felswänden umschlossene Tal des Flusses Ribeira Brava ist von grandioser Schönheit.
Im äußersten Westen der Insel steht der höchstgelegene Leuchtturm Madeiras in Ponta da Pargo. Weil er auf einem Felsen 312 m über dem Meer steht, braucht er selbst kein Turm mehr zu sein und ist deshalb für einen Leucht”turm” außergewöhnlich niedrig. Ein weiteres madeirensisches Steilküstenphänomen findet sich in Achadas da Cruz:

Eine Seilbahn führt zu einem 500m tiefer gelegenen Küstenstreifen mit Wein- und Gemüsegärten, der sonst nur auf steilem Saumpfad zu erreichen wäre. Jeder Fleck dieser vom Klima begnadeten Insel wird zum Anbau von Nahrungsmittteln genutzt – und sei es auch noch so beschwerlich.
Ganz anders zeigt sich der äußerste Osten Madeiras, die Ponta de Sao Lourenço. Auch dieses Gebiet ist Teil des Naturparks, der 2/3 der gesamten Insel umfasst.
Jetzt im Winter ist die Landspitze saftig grün und eine Wanderung hinaus zur Doppelspitze des Pico do Furado lässt jedes Botanikerherz höher schlagen bei der Vielfältigkeit der endemischen Pflanzenwelt auf der vulkangeborenen Halbinsel. Es bieten sich auch hier phantastische Ausblicke zu den vorgelagerten Inseln Porto Santo und den drei Ilhas Desertas sowie entlang der Nordküste, die nach einem Besuch im Sommer ausgiebig beschrieben werden.

Tags: Reise: Madeira















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