Filed Under:  News, Wirtschaft

Schwacher Dollar: Profitieren die USA?

15.10.2010

In der chinesischen People’s Daily wurde jüngst geschrieben:

Without a weaker dollar, the United States would have no hope of meeting President Barack Obama’s goal to double exports in five years

Und weiter:

If the global financial crisis was about nationalizing private debt, then in the post-crisis period the urgent need of the United States is to internationalize its national debt

Höchste Zeit also, sich einmal anzusehen, wann die USA von einem schwachen Dollar profitieren und wann es ihnen weh tut:

Tourismus (+)

Ist der Dollar schwach, wollen wir Europäer gerne in den USA Urlaub machen und am besten noch groß einkaufen. Gebe ich einen Euro aus, bekomme ich gegenwärtig einen Gegenwert von 1,40 Dollar. Das Hotel wird für den Europäer – in Anbetracht des Wechselkurses – günstiger.

Den USA bringen die Touristen jährlich Erträge von mehr als hundert Milliarden Dollar. Bei einem schwachen Dollar profitiert diese Branche in den USA also sehr deutlich.

Öl (-)

Beim Öl sieht es dagegen anders aus. Ist der Dollar schwach, können wir Europäer günstiger an das schwarze Gold herankommen. Denn: Öl wird grundsätzlich in US-Dollar gehandelt – auch außerhalb der USA. Die Euro-Staaten erhalten die gleiche Menge Öl für weniger der eigenen Währung.

Kaufen die bevorteilten Länder jetzt aber sehr viel mehr, weil es gerade so günstig ist, steigt der Dollar-Preis pro Barrel. Und weil die USA den Dollar haben und das Öl in Dollar kaufen, gibt es hier keinen Wechselkurs – schlecht für die Amerikaner.

Importe (-)

Da in den USA viel konsumiert und vergleichsweise wenig produziert wird, ist ein schwacher Dollar schlecht für die US-Importe. Im Ausland gefertigte Ware wird teurer und kann nicht durch im Inland produzierte Ware ausgeglichen werden. Zum aktuellen Zeitpunkt bekommen die Amerikaner für 1 Dollar gerade einmal 0,71 EUR.

Exporte (+)

Wie in den Eingangszitaten schon erwähnt: die USA können bei ihren Exporten enorm profitieren. Ein 500 Dollar US-Produkt hatte vor kurzem noch einen Wert von etwas über 400 EUR, aktuell stehen wir bei etwas über 350 EUR. Durch günstigere Preise kann mehr Ware abgesetzt werden.

* * *

Schauen wir, wie sich die Lage entwickelt, was die USA aus der Situation machen und wie lange der schwache Dollar anhält. Die Fed jedenfalls wird wohl noch eine Weile bei ihrer lockeren Geldpolitik bleiben. Auch ein Versuch die eigenen Schulden zu internationalisieren?

(Obige Aufstellung soll natürlich nur einen knappen Überblick geben. Daher: kein Anspruch auf Vollständigkeit.)

Foto: Euro, Dollar, Pfund; Flickr: oskay, CC

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