Automatisierte Berichterstattung: Warum nicht?
13.10.2010
Heute erinnerte ich mich, Anfang des Jahres von einer Ankündigung einer Software gehört zu haben, die offenbar eine automatische Sportberichterstattung ermöglichen sollte – computergesteuert anhand diverser Statistiken versteht sich. Wer sich nicht mehr erinnert: es geht um StatSheet.
Wie der Website zu entnehmen ist, dauert es wohl noch einen knappen Monat, bis sie ihr “latest and most ambitious project” herausbringen. Die Diskussionen, ob maschinell erstellte Berichterstattung eine schlechte Entwicklung darstellen, sind derweil wieder ruhiger geworden. Vermutlich wird es aber wieder lauter, sobald das Projekt vorgestellt wird bzw. das Programm die “Arbeit” aufnimmt.
Ein idealer Zeitpunkt also, um noch einmal zu hinterfragen: ist dies wirkliche eine bedenkliche Entwicklung? Meiner Meinung nach: nein. Da die automatische Berichterstattung niemals echten Journalismus machen wird, sondern eben einfach nur Berichterstattung, beunruhigt mich diese Entwicklung nicht. Ich finde sie geradezu spannend.
Grund genug sich selbst einmal zwei Stunden hinzusetzen und eine 0.0001 beta Version einer Sport-Berichterstattung zu programmieren. Einen recht einfachen und schmucklosen Text habe ich anhand folgender Daten erstellt:

Es ist wirklich ein Schnellschuss und mein Interesse für Fußball geht gegen Null (man mag mir daher eventuell schlechte Formulierungen verzeihen). Doch ich habe mich gefragt, ob man einen kurzen Text als Berichterstattung hinbekommt, der sich einigermaßen angenehmen lesen lässt. Herausgekommen sind folgende Sätze, die hier am Beispiel der Begegnung Deutschland – Kasachstan generiert wurden:
Die Auseinandersetzung Deutschland gegen Kasachstan fand am Dienstag vor 30.000 Zuschauern im {location} (Anm.: glatt vergessen) statt.
Zu Beginn des Spiels konnte sich keine der beiden Mannschaften durchsetzen. Nach 45 Minuten stand es immer noch 0:0. In der zweiten Halbzeit kam das Spiel dann jedoch in Fahrt.
Miroslav Klose schoss das erste Tor und brachte Deutschland damit erstmals in Führung. Kasachstan kam nicht ins Spiel kassierte anschließend noch weitere Treffer.
Mario Gomez machte das 2:0 klar, Lukas Podolski sorgte mit dem 3:0 in der 85. Minute für den Endstand der Partie.
Zugegeben, an einigen Stellen ist es etwas holprig und sicher fängt es auch noch nicht allen Bedingungen ab, die ein Spiel haben kann. Doch als Ergebnis für zwei Stunden Arbeit und unter 500 Zeilen Code sicher ausbaufähig.
Nun würde mich von den Lesern interessieren: Würden Sie Texte lesen, von denen Sie wissen, dass sie von einer Maschine erstellt wurden? Sei es um kurz Spielergebnisse zu checken oder eine Zusammenfassung des Börsentages zu überfliegen? Wie ist Ihre Meinung zur Idee des “automatisierten Journalismus”?
Ich bin mir fasst sicher, dass man nach – sagen wir – einem Monat Arbeit und erweiterten Statistikdaten (Ballbesitz, Torchancen, etc.) Texte für einen Newsticker generieren kann, die vielleicht nach einer trockenen Agenturmeldung klingen, jedoch nicht mehr eindeutig als “automatisiert” zu erkennen sind.
Tags: Journalismus, Künstliche Intelligenz, Statistik
Von David Hamann















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