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Straßenverkehr: Der ganz normale deutsche Irrsinn?

28.09.2010

Es scheint eine typisch deutsche Angewohnheit zu sein, schlichtweg alles überregulieren zu wollen. Dazu gehört vor allem das Verkehrswesen.

Zwei Fragen, die sich sicher jeder Autofahrer schon gestellt hat:

1.) Wieso sind in Großstädten in der Nacht fast alle Ampeln eingeschaltet – auch auf Straßen, wo das Verkehrsaufkommen um diese Uhrzeit gegen Null geht?

2.) Wieso wird an einem Sonntagabend eine Spur auf einer viel befahrenen Autobahn gesperrt und vermiest damit Hunderten Menschen das gesamte Wochenende?

Beides ist mir und einer Vielzahl anderer Menschen an diesem Wochenende widerfahren. Ein riesiger Mehrausstoß von CO2, massig verloren gegangene Zeit (und Geld) und vor allem vernichtete Lebensqualität.

Muss das sein?

Ganz klar: nein! Denn…

Fall 1.) Jede Ampel hat zusätzlich auch ein Verkehrsschild – z.B. Vorfahrt achten. Hier ist es wirklich unnötig, dass Strom verbraucht wird, Wartungsarbeiten an Ampeln fällig werden, viele Schadstoffe durch ständiges Bremsen und Anfahren in die Luft geblasen werden und nicht zuletzt enorm viel Zeit verloren geht.

Sicher will man hier keine italienischen Zustände (Hupen, wenn bei freier Straße nicht über rot gefahren wird), aber ein wenig gesunden Menschenverstand darf man den Deutschen schon noch zutrauen.

Fall 2.) Es gibt inzwischen intelligente Verkehrssysteme, die das Aufkommen von Fahrzeugen anhand historischer Daten ermitteln können, gleichzeitig analysieren, was es bedeutet auf einen Sonntagabend eine Spur zu sperren und die sicher auch ausrechnen können, was durch eine intelligtente Verkehrsführung an Schadstoffausstoß eingespart werden kann.

Ich bin nicht etwa gegen die Ausbesserungen von Straßenschäden. Im Gegenteil! Aber dann sollen diese auch wirklich behoben werden. Fährt man etwa die A24 von Berlin in Richtung Hamburg sieht man Kilometer lange Absperrungen, auf denen wirklich nichts passiert. Man hat das Gefühl, hier würde abgesperrt, um abzusperren, nicht um zu arbeiten. Wieso gibt es hier keine Nachtschichten?

* * *

Ist es ein Teil der deutschen Kultur, dass alles möglichst penibel geregelt wird? Soll man auf Straßen, wo es in einem Abstand von einem Quadratkilometer kein Verkehrsaufkommen gibt, Zeit an der Ampel verbringen oder gar als Fußgänger auf Grün warten, um den nicht existierenden Verkehr aufzuhalten?

Besserung war in Sicht, als die Idee der Kreisverkehre in einigen Teilen Deutschlands umgesetzt wurde. Leider hat man beim Kopieren des Konzepts gerade hier die deutsche Gründlichkeit einmal weggelassen. Resultat ist, dass wir nun vereinzelt Kreisverkehre auf deutschen Straßen haben, diese jedoch an jeder Einfahrt mit Ampeln (!!!) versehen sind.

Wer trifft solche Entscheidungen? Und: nehmen diese “Entscheider” grundsätzlich nicht am Straßenverkehr teil oder ist dies einfach eine Eigenschaft des ganz normalen deutschen Irrsinns?

Foto: Flickr: Soundmonster, CC

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