Neue Wirtschaftsordnung? Nein, danke!
20.08.2010
Die neue Studie des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung sorgt für Aufsehen. 88 Prozent der Deutschen wünschen sich demnach eine “neue Wirtschaftsordnung” und sehen im Kapitalismus keinen “sozialen Ausgleich in der Gesellschaft”. Doch damit nicht genug: schon im März kam eine Emnid-Umfrage zum Ergebnis, dass sich eine große Mehrheit der Deutschen vorstellen könnte, in einem sozialistischen Staat zu leben, sofern für Arbeitsplätze, Solidarität und Sicherheit gesorgt wäre (WELT).
Da kommt die Frage auf: Werden die Befragten schon in der Fragestellung eingeschränkt oder ist die Lage wirklich so dramatisch?
Vermutlich könnte sich eine große Mehrheit der Deutschen auch vorstellen, in einem kapitalistischem Staat zu leben, sofern eben jene Rahmenbedingungen gegeben wären. Aber in was für einem System leben wir denn eigentlich in der Gegenwart? Wir haben einen Staat, der Banken rettet, Automobil-Unternehmen stützt und vergleichsweise hohe Sozialleistungen bietet. Finanziert wird das Sozialsystem durch Steuern – Steuern, die von einem Großteil der Bevölkerung aufgebracht werden. Verdient jemand mehr, so trägt er absolut auch mehr zum Sozialstaat bei. Dieses System ist fair, sofern sich die Leistung, die man erbringt, auch auf eigener Seite noch auszahlt. Wer mehr arbeitet, erhält auch mehr – leider trifft dies nicht mehr in allen Bereichen zu. Aufgrund der hohen Sozialleistungen, erhalten einige Hartz-IV-Empfänger bereits mehr Geld als ein Arbeiter mit niedrigem Lohn.
Der Leistungsgedanke ist in Deutschland verloren gegangen. Das System muss nicht geändert werden, sondern die Einstellung der Gesellschaft. Mit einer kurzen Arbeitswoche und relativ vielen Urlaubstagen könnte man im internationalen Vergleich behaupten, dass Deutschland wieder fleißiger werden muss. Dass es sozialistisch werden muss, hat dabei hoffentlich keiner im Sinn. Zu jung sind die Erinnerungen an DDR und sowjetischen Kommunismus. Zu groß die Angst, dass eben jenes System Deutschlands Wirtschaft schrumpfen lässt oder gar ganz lähmt.
Der Kapitalismus ist ohne Alternative! Selbst als die Mauer fiel, entschieden sich die Menschen für das System, das ihnen Wohlstand bringt, aber eben auch Leistung fordert. Dass einige der DDR nachtrauern ist eher der Kategorie “Romantik” zuzuordnen. Wer etwas haben will, muss etwas geben!
Der Staat sollte dabei die Rahmenbedingungen schaffen, nicht aber selbst zum Unternehmer werden. So kann der Kapitalismus durchaus auch unter Respektierung der Umwelt funktionieren. Es sind die richtigen Rahmenbedingungen, die auch im ökologischen Bereich neue Märkte schaffen können. Dass einer großen Mehrheit der Deutschen die Umweltbedingungen wichtiger sind als “Geld und Besitz zu mehren” (siehe Umfrage), muss daher also nicht gleich zur Systemfrage werden, wenn man in der freien Marktwirtschaft beides vereinen kann.
Der Kapitalismus mag nicht das perfekte System sein, aber es ist bislang die beste und fairste Alternative. Krisen sind in diesem auf Wachstum ausgelegten System zwar unvermeidbar, mit den richtigen Rahmenbedingungen der Politik aber durchaus manövrierbar. Wir brauchen den Leistungsgedanken wieder und die richtigen Rahmenbedingungen, die auch nachhaltiges Wirtschaften interessant machen. Ein gänzlich neues Wirtschaftssystem ist der falsche Weg.
Ein Kommentar von David Hamann
Tags: DDR, Kapitalismus, Sowjetunion, Sozialismus, Umfrage
Von David Hamann















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